Leistungsbedarf bei der Bodenbearbeitung in Abhängigkeit vom Kalkzustand des Bodens
Kurztitel: Leistungsbedarf bei der Bodenbearbeitung in Abhängigkeit vom Kalkzustand des Bodens
Projektziel: Mit der Untersuchung soll festgestellt werden, ob bei einem Boden, der sich in einem guten Kalkzustand befindet, weniger Zugkraft und Energie bei Bodenbearbeitung erforderlich sind als auf einem vergleichbaren versauerten Standort. Das wäre ein weiteres Argument für das regelmäßige Kalken. Kalk fällt zwar in den Porenwinkeln der Aggregate als Calciumcarbonat aus und stabilisiert so das Bodengefüge. Auf der anderen Seite haben Böden mit einem guten Kalkzustand meistens einen höheren Anteil an Grobporen und erscheinen dadurch insgesamt lockerer als versauerte Böden.
Laufzeit: September 2006
Projektbeteiligte:
Prof. Dr. Thomas Appel, Fachhochschule Bingen (verantwortlich für die Durchführung und Auswertung der bodenkundlichen Untersuchungen)
Dipl.-Ing.agr. Joachim Pollehn, Düngekalk-Hauptgemeinschaft, Annastraße 67-71, 50 968 Köln, Internet: www.naturkalk.de
Dr. Ulrich Rubenschuh und Dipl.-Ing.agr. Matthias Mumme, DLG-Testzentrum für Technik & Betriebsmittel, Max-Eyth-Weg 1, 64823 Groß-Umstadt (verantwortlich für die Durchführung und Auswertung der Messung des Leistungsbedarfs)
Studierende des Studiengangs Umweltschutz der FH Bingen (Feld- und Laboruntersuchungen, Auswertung)
Abstract:
Leistungsbedarf bei der Bodenbearbeitung in Abhängigkeit vom Kalkzustand des Bodens
1. Flächen
Der Versuch wurde auf zwei Schlägen des Wendelinhofes der FH Bingen durchgeführt. Die beiden Schläge befinden sich im Nahetal bei Bingen-Büdesheim. Sie sind voneinander nur durch einen Wirtschaftsweg getrennt. Auf dem nördlichen Schlag (FH-Acker nord) wurde seit mindestens 8 Jahren auf eine Kalkung verzichtet (schlechter Kalkzustand, pH 4,7). Auf dem südlich des Weges gelegenen Schlag wurde im Jahr 2000 und im Jahr 2005 gekalkt (guter Kalkzustand, pH 6,3). Die beiden Schläge werden seit 3 Jahren gleich bewirtschaftet: 2004 Silomais, 2005 Winterweizen, 2006 Silomais (am 30.8.2006 geerntet); Bodenbearbeitung: Grubber ca. 15 cm im Herbst; N-Düngung: Gülle und Harnstoff. Der nördliche Schlag erhielt im Unterschied zum südlichen in den letzten acht Jahren keine P- und K-Düngung.
2. Zugkraftmessung bei der Bodenbearbeitung
Vom DLG-Testzentrum wurden die Zugkraft, der Schlupf, das Drehmoment und der Kraftstoffverbrauch bei der Bodenbearbeitung gemessen, und zwar für unterschiedliche Arbeitsgeräte und unterschiedliche Arbeitstiefen. Die Unterschiede im Zugkraftbedarf zwischen der gekalkten und der ungekalkten Fläche waren unbedeutend (Abb. 1).
Abb. 1: Zugkraft bei der Boden bearbeitung in Abhängigkeit von der Bearbeitungstiefe, der Fahrgeschwindigkeit (l = langsam, s = schnell) und dem Kalkstatus der Versuchsflächen (Kalk = guter Kalkstatus, oKalk = ohne Kalk, versauert)
3. Bodenuntersuchungen
Die beiden Schläge wurden im Rahmen eines studentischen Praktikums beprobt und die Bodenproben im Labor der FH-Bingen von den Studenten untersucht: Textur, pH-Wert, gesättigte Wasserleitfähigkeit in 20-25 cm Tiefe (kf-Wert), Porenvolumen gesamt und Porengrößenverteilung (pF-Kurve), Wasserinfiltration (ki-Wert), Regenwurmabundanz und -biomasse. Die Fläche mit dem besseren Kalkstatus zeigte eine höhere Wasserleitfähigkeit, ein höheres Porenvolumen und eine schnellere Wasserinfiltration als die ungekalkte Fläche. Allerdings zeigte die mehrmalige Beprobung der beiden Flächen, dass der südliche FH-Acker mit dem guten Kalkstatus auch mehr Sand und weniger Ton in der Krume aufwies (Tabelle 1). Alleine aufgrund des geringeren Tonanteils wäre zu erwarten gewesen, dass bei der Bodenbearbeitung des FH-Ackers nord ein höherer Zugkraftbedarf als auf der südlich gelegenen Fläche erforderlich war. Es ist bemerkenswert, dass das nicht der Fall war.
Tabelle 1. Textur des Feinbodens und Bodenreaktion, untersucht anhand flächenrepräsentativer Bodenproben (n = 4) der beiden Versuchsflächen
| Tiefe (cm) | FH-Acker nord schlechter Kalkzustand | FH-Acker süd guter Kalkzustand | Signifikanz 1) |
Sand % | 0 – 30 | 65,2 | 69,2 | 0,015 |
Schluff % | 0 – 30 | 20,7 | 21,1 | 0,875 |
Ton % | 0 – 30 | 14,1 | 9,6 | 0,054 |
1) Varianzanalyse
Schlussfolgerungen
Der geringere Zugkraftbedarf bei der Bodenbearbeitung auf dem FH-Acker süd konnte, anders als erhofft, nicht nachgewiesen werden. Das erstaunt vor allem auch deshalb, weil der Schlag nicht nur in einem besseren Kalkzustand war, sondern auch einen signifikant geringeren Tongehalt in der Krume aufwies als der FH-Acker nord. Die Projektpartner planen deshalb, die Zugkraftbestimmung auf anderen Flächen fortzusetzen, die möglicherweise geeigneter sind, die Hypothese zu erhärten, dass der Zugkraftbedarf bei gutem Kalkzustand des Bodens geringer ist.


















